Die Katholiken des Stadtteils Lindenhof wurden anfänglich betreut von der Oberen Pfarrei, zu deren Pfarrbezirk sie bis zum Jahre 1904 gehörten. Am 21.April 1904 wurde die Kuratie St. Joseph errichtet. Die Gottesdienste fanden im 1902 erbauten Schwesternhaus, Bellenstr. 59, statt. Bereits am 19. November 1896 wurde der erste Antrag zum Bau einer Kirche gestellt. Am 5. Oktober 1900 schlossen sich die katholischen Einwohner des Stadtteils Lindenhof zusammen und trugen in einem gemeinsamen Bittschreiben der Kirchenbehörde in Freiburg das Anliegen vor, den Bau einer katholischen Kirche in diesem Stadtteil zu fördern. Am 8. Juni 1904 wurde nach langem Suchen eines tragbaren Baugrundes mit dem Beginn des Kirchenbaus begonnen. Die Bauausführung hatte Architekt Kuld. Am 29. April 1906 war die Grundsteinlegung der St.-Josephs-Kirche; die Benediktion erfolgte am 8.12.1907 durch Dekan Joseph Bauer; feierlich konsekriert wurde sie durch Erzbischof Dr. Thomas Nörber am 31.05.1908.
Im Juli 1918 wurde die Gemeinde St. Joseph zur Pfarrei erhoben. Die Grenzen der Pfarrei verliefen: von Rheinbrücke-Rheinmitte bis Waldpark-Tierasyl, Niederfeldweg-Almenhof-Neckarauer Übergang-Bahngelände-Rheinbrücke. Im Jahre 1932 wurde der Stadtteil Almenhof von der Pfarrei St. Joseph getrennt und als Kuratie St. Paul eigens pastoriert. Die Grenze bildet die Speyerer Straße und die Neckarauer Gemeindegrenze. Die Anfechtungen im dritten Reich stellten manchen Gläubigen auf die Bewährungsprobe. Es wurde versucht, die Jugend gewaltsam der Kirche zu entfremden. Die Schrecken des 2. Weltkrieges brachten in viele Familien tiefe Trauer und Not. Die Luftangriffe auf Mannheim, insbesondere auf den Stadtteil Lindenhof (Bahngelände und Lanzfabrik), wurden immer zahlreicher. Viele Gläubige verloren Wohnung und ihre persönliche Habe und mussten ihre liebgewordene Gemeinde verlassen, um anderswo Wohnung zu nehmen.
Bei einem Fliegerangriff am 9. Mai 1941 ging ein Volltreffer in die St. Josephs - Kirche. Der Hauptschaden war im Mittelschiff. Beim gleichen Angriff ging ein Blindgänger durch das Pfarrhaus, durchschlug alle Decken und wurde nach 3 Tagen aus dem Keller entfernt. Pfarrer Emlein von der evangelischen Johannisgemeinde stellte der Pfarrgemeinde den Konfirmandensaal zur Verfügung. Das freundliche Anerbieten wurde dankbar und freudig angenommen. Inzwischen wurde die St. Josephs - Kirche wieder hergestellt. Der feierliche Einzug war am 15. November 1942.
In der Sonntagnacht vom 5./6. September 1943 vernichtet ein Großangriff auf Mannheim Kirche und Pfarrhaus. Das Schwesternhaus wurde sehr stark beschädigt. Die einst so schöne und religiös-lebendige Pfarrgemeinde mit nahezu 9000 Seelen war schwer heimgesucht worden. Nur sehr wenig an kirchlichem Inventar konnte gerettet werden. Gottesdienste fanden fortan im Kindergartensaal des Schwesternhauses statt. Am 1.Februar 1945 wurde das Schwesternhaus total zerstört. Es konnte nichts gerettet werden. Nach Wochen mühseligen Suchens nach einem Gottesdienstraum konnte die Erlaubnis erwirkt werden, in der zerstörten Hauskapelle des Heinrich-Lanz-Krankenhauses Gottesdienste abzuhalten. Nach 5 Tagen Aufräumungsarbeit stürzte während eines Fliegeralarms die Decke ein und zerschlug die aufgestellten Bänke. Nun war keine Möglichkeit mehr, einen Raum aufzufinden. Seelsorger und Schwestern wohnten im Keller des ausgebrannten Schwesternhauses. Ein Büroraum in der Eichelsheimerstr. 51 wurde freundlicherweise zu Gottesdienstzwecken von Familie Platz zur Verfügung gestellt. Am Mittwoch der Karwoche des Jahres 1945 zogen die amerikanischen Truppen nach kurzer Beschießung in die Stadt ein. Nur sehr wenige Pfarrangehörige waren noch in der Gemeinde wohnhaft. Mannheim war eine tote Stadt geworden. Allmählich kamen immer mehr Menschen zurück und wohnten in ihren zu Trümmern gewordenen Ruinen und Kellern. Kinder waren damals noch keine in der Pfarrei, da die Ernährungslage sehr angespannt war. In den kommenden Monaten stieg die Bevölkerungszahl immer mehr, so dass der Büroraum trotz dreier Sonntagsgottesdienste die Gläubigen nicht mehr fassen konnte. An einen Aufbau der St.-Josephs-Kirche war aber noch nicht zu denken wegen Materialmangels.
Im August 1945 wurde mit einer Kirchenraumnotlösung begonnen, die sich damals als überaus vorteilhaft, sparsam in den benötigten Mitteln und auf Jahre als unzureichend erwies. Neben der St. Josephs - Kirche wurde unter Benutzung einer Seitenwand der Kirche und durch Hochführung der Grenzmauer der so gewonnene Raum überdacht. Viele freiwillige Hilfskräfte halfen dabei. Am Karfreitag des Jahres 1946 wurde die Notkirche als Gottesdienstraum der Ort, an dem sich die Gläubigen wieder um den Altar scharen konnten. Am 1. August 1942 konnten die Niederbronner Schwestern, die bis dahin mit dem Pfarrgeistlichen in der Waldparkstr.35 gewohnt hatten, wieder in das fertiggestellte Schwesternhaus in der Bellenstraße 59 einziehen. Am 20. September 1949 war der 1. Stock des Pfarrhauses nach mancherlei Unterbrechungen zum Bezug fertig. Die Bauleitung hatte Architekt Adam Müller. Zu Beginn des Monats September 1950 wurde mit dem Wiederaufbau der St.-Josephs-Kirche begonnen. Nach mancherlei Unterbrechungen wurde der Kirchenbau am 19. Oktober 1951 vollendet und erhielt am selben Tag in einer Feierstunde seine kirchliche Weihe. Eine große Anzahl, auch ehemaliger, Pfarrangehöriger gesellte sich zur etwa 3000 Seelen großgewordenen Gemeinde (Bauleitung: Erzbischöfliches Bauamt).
Am 16. Juni 1952 wurden die beiden Mosaikbilder über den Seitenaltären: "Maria - Himmelskönigin" und "St.J oseph - Schutzherr der Kirche" in die Wandflächen eingesetzt. Entwurf und Fertigung erfolgten von Prof. Dr. W. Oeser. Beide Bilder sind Stiftungen.
Zu der verbliebenen kleinen Glocke konnte im Oktober 1953 eine zweite Glocke als Leihgabe erworben werden. Eigentumsrecht über diese Leihgabe hat die katholische Kirchengemeinde Gnadenfrei in Schlesien. Am 11.Januar 1954 wurde mit der Erstellung der Orgel durch die Firma Joh. Klais, Bonn, begonnen. Am 7. Februar war die feierliche Orgelweihe. Am 1. Dezember 1954 konnte der Taufstein erstellt werden. Mit der großen Spendenbereitschaft der Pfarrei konnten am 31. Mai 1959 6 neue Glocken durch Missionsbischof Dr. Olbert gesegnet und der Gemeinde übergeben werden. Sie stammen aus der Glockengießerei Hamm in Frankental. Die größte Glocke trägt den Namen St. Josef mit 3000 kg und hat die Tonhöhe A°. St. Konrad in d' hat 1425 kg; St. Maria, die Angelusglocke, ist in fis' mit 710 kg. Es folgt St. Antonius in a' mit 422 kg; dann Johannes der Täufer in h' mit 300 kg. Die kleinste Glocke ist 200 kg schwer und erklingt mit dem Ton d''.





